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Matt Lamb Kirche Bergern

Klaus von der Weiden, Susanne Wellhöfer

Es klingt fast wie ein Märchen, da kommt ein großer amerikanischer Künstler in ein kleines thüringisches Dorf und gestaltet dort die bisher unbedeutende Dorfkirche mit seinen Werken aus. Und doch ist es so geschehen in Bergern unweit der Kleinstadt Bad Berka. Die kleine Broschüre erzählt von der Kirche, dem Künstler und dem Werk, und wie es zu dieser unglaublichen Begenheit kam.

Schiffshebewerk Henrichenburg

Schiffshebewerk Henrichenburg

Kaiser Wilhelm II. höchstpersönlich war es, der das Schiffshebewerk in Henrichenburg feierlich einweihte. Es war das imposanteste Bauwerk des Dortmund-Ems-Kanals, der gleich­zeitig miteröffnet und zu einer wichtigen Verbindung auf dem Wasser zwischen dem Ruhrgebiet und der Nordsee wurde. Stattgefunden hatte dieses Großereignis im Sommer 1899, seither ist viel geschehen: Henrichenburg ist nicht mehr ei­genständig, sondern ein Stadtteil von Castrop-Rauxel. Der Dortmund-Ems-Kanal hat an Bedeutung verloren und das ur­sprüngliche Schiffshebewerk wurde durch ein moderneres He­bewerk ersetzt, das mittlerweile auch außer Dienst gestellt wurde.

Doch das alte Schiffshebewerk hat nicht an Glanz verloren und ist als Baudenk­mal weiterhin sehenswert. Nicht um­sonst ist es daher ein Museumsstand­ort des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe. Es besticht nicht nur durch seine Technik, sondern auch durch die Architektur, für die man an technischen Bauwerken heute wohl kaum Geld be­reitstellen würde. Zwei Haupttürme, jeweils gekrönt mit einer Kugel, dominieren das Werk und sind durch eine begehbare Brücke miteinander verbunden, von der aus man einen wun­derbaren Ausblick auf das weiter unten liegende Schiffshebe­werk genießen kann. Noch heute prangt der preußische Adler als Symbol an der Brücke. Das Hebewerk diente dazu, den Schif­fen einen Höhenunterschied von rund 14 Metern zu ermögli­chen. Die Besatzungen der Schiffe, überwiegend handelte es sich um Lastkähne, mussten für den kompletten Vorgang rund eine Dreiviertelstunde Geduld aufbringen. Doch ohne dieses Bauwerk wäre der Dortmunder Hafen sonst nicht erreichbar gewesen. In den Trog passten Schiffe bis zu einer Länge von im­merhin 67 Metern und acht Metern Breite. Ein komplett gefüll­ter Trog konnte dementsprechend über 3.000 Tonnen wiegen. Eine beachtliche Leistung im ausgehenden 19. Jahrhundert, dieses Gewicht heben zu können. Dennoch wurde es im Laufe der Zeit zu klein für die Anforderungen auf dem Kanal, sodass es im Jahr 1962 durch das benachbarte neue Hebewerk ersetzt wurde. Dieses war deutlich länger und breiter, jedoch schnör­kellos und schlicht. Das alte Hebewerk verfiel zunächst und es wurde sogar an einen Abriss gedacht. Doch der Landschafts­verband erkannte, dass man es als Museum bewahren sollte, und ließ es restaurieren. Es ist zwar nicht mehr funktionsfähig, aber beherbergt heute eine interessante Ausstellung. Auch das neue Hebewerk wurde bald zu klein und durch eine Schleuse ersetzt, die mittlerweile dreimal so lang ist wie das ursprüngliche Hebewerk aus dem Jahr 1899. Beide Hebewerke sind heute Teil des Schleusenparks, durch das der Besucher wandeln kann. Dabei gelangt man an 35 Stationen vorbei, die über die Geschichte informieren. Doch nicht nur das, sondern auch die Museumsschiffe, die im unteren Becken zu sehen sind, laden zu einem Besuch ein. Darüber hinaus finden regelmäßig wech­selnde Sonderausstellungen statt und in den Sommermonaten legt mehrmals täglich das Ausflugsschiff „Henrichenburg“ ab, das seine Gäste bei Kaffee und Kuchen die Kanäle vom Wasser aus genießen lässt.

 

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Aus: RUHRGEBIET. Die 99 besonderen Seiten der Region, entdeckt von Michael Moll, mitteldeutscher verlag 2015, S. 25-27. Mit freundlicher Genehmigung des mdv.

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